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Martin Hundhausen
Nutzung der Solarenergie in Japan und Deutschland


Der Klimawandel ist in vollem Gange. Überschemmungen an der Elbe im Jahre 2002, ein extrem trockener Sommer 2003 -- die Klimaforscher warnen und belegen den Zusammenhang mit der Emission von Kohlendioxid durch die Nutzung fossiler Energien, d.h. durch die Verbrennung von Kohle und Öl für die Stromproduktion, zum Heizen und für den Verkehr. Es sind besonders die Industrieländer, in denen dieses Problem gemacht wird - und damit insbesondere auch Japan und Deutschland.

So, wie es momentan aussieht, wird alles noch schlimmer werden, besonders wenn keine Anstrengungen unternommen werden, die bestehende Energieversorgung komplett umzustellen. Mit dem Kyoto-Protokoll haben sich die Industrienationen verpflichtet, diese Aufgabe anzugehen und die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Wenn man sich mit der Problematik befasst, findet man sehr schnell, dass es (nur) eine Lösung gibt: Konventionelle Energie durch Sonnenenergie zu ersetzen. Wir haben in unserem Haus in Erlangen dieses Konzept in die Tat umgesetzt: Wir erzeugen warmes Wasser und elektrischen Strom mit Sonnenenergie. Das funktioniert so gut, dass sogar mehr Energie mit unserem Haus erzeugt wird, als wir im Haushalt brauchen. Die Lösung des Klimaproblems ist daher aus meiner Sicht klar: Es muss auf jedem Haus eine Solarstromanlage installiert werden.

Es gibt in der Welt zwei große Industrieländer, in denen diese Lösung angepackt wird und in denen seit einigen Jahren ein starkes Wachstum in der Solarbranche stattfindet: Japan und Deutschland. Die Zahlen sprechen für sich. In Japan hat die Markteinführung der Technik etwas früher begonnen, als in Deutschland und es sind momentan etwa doppelt so viele Solaranlagen installiert.

Mich hat es interessiert, welche unterschiedlichen Wege die beiden Länder dabei gegangen sind.

deuhaus (19K) Unsere Photovoltaikanlage: Der Strom wird nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz verkauft. Die Kosten werden so - gesetzlich gesichert auf alle deutschen Stromkunden umgelegt. Die gegenwärtige Belastung eines deutschen Haushalts für alle in Deutschland installierten Solaranlagen liegt bei etwa 1 Euro pro Jahr.


Den deutschen Weg kenne ich im Detail. Es war die Bundesregierung, die im Jahr 2000 den Weg durch das Erneuerbare Energien Gesetz geebnet hat, in dem ein Anspruch auf den Verkauf von Solarstom mit 99Pf/kWh festgelegt worden ist. Seitdem haben die Bürger die Möglichkeit, in diese Technik zu investieren und durch den Betrieb über die Jahre die Kosten wieder zurückzuerhalten. Es sind Bürger, die sich um das Wohl der kommenden Generationen sorgen, die das tun, was ich oben erwähnt habe: Sie installieren auf ihrem eigenen Dach eine Photovoltaikanlage und produzieren etwa genau so viel oder mehr Strom, als sie selbst benötigen. Damit tragen sie zum Umbau des Energiesystems bei. Auch die Einführung des erwähnten Gesetzes war ein demokratischer Prozess und auf gesellschaftlichen Druck entstanden. Eine Mehrheit in der Bevölkerung will die Klimakatastrophen nicht und lehnt auch die Nutzung der Kernenergie nach den schlechten Erfahrungen ab. Aus dieser "Stimmung" wurde der Atomausstieg beschlossen und das Erneuerbare Energien Gesetz eingeführt. Ich will aber nicht verschweigen, dass es auch Gruppierungen gibt, die an der alten Energieversorgung festhalten wollen und versuchen, die Solarenergie zu diskreditieren.

Als ich vor 2 Jahren in Japan war, nahm ich mir vor, den japanischen Weg zu untersuchen. Dabei interessierte mich vor allem, wie die Solarenergie in Japan bei der Bevölkerung ankommt. Sind es auch in Japan Idealisten, die sich eine Solarstromanlage zulegen? Und: Gibt es auch in Japan eine Gegenströmung, die versucht, das Image der Technik schlecht zu machen?

Es fällt wirklich auf, wenn man mit dem Zug durch Japan führt: Es gibt heute -- im Gegensatz zu früher -- viele Solarstromanlagen auf den Dächern. Ich habe bei einigen der Häuser an der Tür geklingelt und mich erkundigt, wie die Bewohner zu der Solaranlage gekommen sind. Fast immer war die Anlage bereits beim Kauf vorhanden. Für die Käufer ging es praktisch nie um die Entscheidung, ob sie das Haus mit oder ohne die Photovoltaikanlage kaufen wollten. In einem Fall hatte der Hausherr seine Solaranlage, die auf dem Flachdach installiert war, noch nicht einmal gesehen. Selbstverständlich war er nicht gegen die Technik. Der Bauträger hatte ihm diese als "Bonus" dargestellt, d.h. er hatte die Wahl, zum gleichen Preis ein Nachbarhaus ohne Photovoltaikanlage zu kaufen und entschied sich deshalb dafür, denn er kann den Strom selbst nutzen und reduziert so über die Jahre seine Stromrechnung.

Da aber die Installation auch in Japan nicht umsonst ist, sondern in diesem Fall etwa 20.000 Euro gekostet haben muss, hätte sich für ihn die Anlage nicht gelohnt, wenn er diese Mehrkosten alleine hätte tragen müssen. Der "Trick", wie die Baufirma ihm diese Anlage schmackhaft machte war wohl die Mischkalkulation. Wenn sie nur jedes zehnte Haus mit diesem Extra ausrüstet, die Kosten aber auf alle Häuser umlegt, verbleiben nur 2.000Euro pro Haus an Mehrkosten, die kaum auffallen. Ein logischer Ansatz, wenn man bedenkt, dass den Umweltvorteil nicht nur der Hausbesitzer selbst hat, sondern die gesamte Gemeinschaft.

japhaus (33K) Die japanische Photovoltaikanlage: Der Bauträger hat in diesem Baugebiet auf jedes 10. Haus eine Solaranlage gebaut. Mehrkosten gab es für den Besitzer nicht (Bonus). Die Kosten wurden im Rahmen einer Gesamtkalkulation auf alle Bauherren umgelegt. Kosten je Haus etwa 2000 Euro.


Es sind wohl strategische Allianzen, die in Japan auf diese Weise zu dem Boom geführt haben. Halbleiterfirmen, die ein natürliches Interesse an dem Verkauf ihrer Produkte haben, können sich durch Vereinbarungen mit grossen Fertighausfirmen einen stabilen Markt schaffen. So sind Investitionen in die Zukunft kalkulierbar und nur solche Investitionen in neue Solarfabriken werden die neue Technik in Zukunft so preiswert machen, dass Solarstrom mit konventionellem Strom konkurrieren kann. Ich denke, dass in Japan das Wirtschaftsministerium koordinierend eingegriffen hat, um den stabilen Absatz sicherzustellen. Ein logischer und folgerichtiger Weg angesichts der Exportchancen, die sich in Zukunft ergeben werden.

Mich hatte aber auch interessiert, ob das negative Image der Solarenergie, welches in Deutschland zuweilen gerne kultiviert wird, auch in Japan zu finden ist. Dieses Negativimage stellt vor allem die hohen Kosten in den Vordergrund. Wenn man den Effekt des Wachstums der Branche in Japan und Deutschland auf die Kosten untersucht, stellt man fest, dass diese kontinuierlich abnehmen. Die oben erwähnten Mehrkosten von 20.000 Euro werden in einigen Jahren nur noch bei 5.000Euro liegen.

Die Einsparungen bei der Stromrechnung werden dann ausreichen, um diese Mehrkosten zu tragen, denn konventionelle Energien werden zunehmend teurer werden. Die Argumente gegen die hohen Kosten werden sich dann in Luft auflösen, aber nur, wenn mittelfristig die höheren Kosten akzeptiert werden. Ich habe in Japan - im Gegensatz zu Deutschland - keine öffentliche Diskussion erlebt, die das Wachstum der Solarenergie bremsen will. Statt dessen gibt es grosse Anzeigen in den Tageszeitungen, die das positive Image aufbauen. Solche Werbung vermisse ich in Deutschland völlig. Die Solarindustrie scheint sich in Deutschland auf die Bürger zu verlassen, die von sich aus sich für den Klimaschutz entscheiden.

Ich persönlich finde den deutschen Weg sympatischer, der auf die mündige Entscheidung von Bürgern baut. Was aber letztlich zählt, das ist das Wachstum des Marktes dieser Zukunftstechnik. Und da ist Japan uns immer noch etwas voraus.

Dr. Martin Hundhausen ist Privatdozent am Lehrstuhl für Experimentalphysik der Universität Erlangen-Nürnberg.




Letzte Aenderung: 25.02.2004
von Nao Witting
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